Tages- und Termingeldhandel
Der Tages- und Termingeldhandel ist ein Teilgebiet des Geldmarktes. Man
versteht darunter unbesicherte Kredite bzw. Geldanlagen mit einer Laufzeit
von einem Tag bis zu einem Jahr. Tages- und Termingeldhandel finden am
Telefon statt. Marktteilnehmer sind institutionelle Anleger (Banken,
Versicherungen, Fondsgesellschaften, große Unternehmen, aber auch staatliche
Institutionen). Der Geldmarkt zählt zu den Finanzmärkten mit der höchsten
Liquidität. Es sind sehr viele Marktteilnehmer am Tages- und
Termingeldhandel beteiligt und es werden sehr große Volumina gehandelt.
Tages- und Termingeldgeschäfte unter Banken werden in aller Regel dadurch
erfüllt, dass der Geldbetrag vom Zentralbankkonto des Geldgebers auf das
Zentralbankkonto des Geldnehmers übertragen wird. Sind Industrie- oder
Handelsunternehmen involviert, wird das Geld über das Zentralbankkonto der
kontoführenden Bank geleitet.
Motivation der Teilnahme insbesondere am kurzfristigen Tagegeldhandel ist
die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit. Weder Unternehmen noch
Geschäftsbanken können exakt prognostizieren, wieviel Geld ihnen zur
Abdeckung ihres Zahlungsverkehrs zur Verfügung stehen wird. Über den Tages-
und Termingeldhandel wird der Ausgleich von Liquiditätsspitzen erzielt.
Beispiel:
Ein Unternehmen hat am heutigen Tag Gehaltszahlungen in Höhe von 10 Mio EUR
zu leisten. Der Zahlungseingang aus dem Verkauf einer Dienstleistung in Höhe
von 12 Mio EUR ist jedoch nicht wie prognostiziert am heutigen Tag auf dem
Bankkonto eingegangen. Statt wie in der Liquiditätsplanung prognostiziert,
ergibt sich damit für den heutigen Tag kein Liquiditätsüberhang von 2 Mio
EUR, sondern ein Liquiditätsbedarf von 10 Mio EUR. Der Geldhändler nimmt
daher 10 Mio EUR bei seiner Geschäftsbank als Overnight auf, um diese
kurzfristige Unterdeckung auszugleichen.
Beim Tagesgeld unterscheidet man:
- Overnight-Geschäft, auch kurz Overnight genannt, bei dem zwischen den
Kontrahenten für einem auf den nächsten Tag über Nacht verliehen wird. Das
Geld wird noch am selben Tag dem Konto des Geldaufnehmers gutgeschrieben und
am nächsten Tag dem Geldgeber inklusive Zinsen zurückgezahlt. Um den damit
verbundenen Zahlungsverkehr abwickeln zu können, werden Overnight-Geschäfte
in der Regel nicht später als 14 Uhr getätigt (im Interbankenverkehr werden
die Konten der Kreditinstitute bei der Zentralbank auch mit
Overnight-Geschäften glattgestellt - in diesem Fall werden Geschäfte auch
noch spät nachmittags, oft auch noch nach 17:00 Uhr, getätigt).
- Tom/Next-Geschäft, wird mit T/N abgekürzt und in der Langform als
Tomorrow-against-Next-Day bezeichnet. Die Geldhändler vereinbaren damit am
heutigen Tag, dass der eine Kontrahent dem anderen von morgen bis übermorgen
Geld zur Verfügung stellt. Am übernächsten Tag erhält der Geldgeber seinen
Kapitalbetrag inklusive Zinsen zurück.
- Spot/Next-Geschäft ist in der Langform Spot-against-Next-Day. Geldnehmer
und Geldgeber einigen sich über eine Geldleihe, die mit der eigentlich
marktüblichen Valuta-Usance des übernächsten Tages an den Geldnehmer gezahlt
wird und am darauffolgenden Werktag an den Geldleiher inklusive Zinsen
zurückgezahlt wird.
Als Termingeld wird dagegen alles bezeichnet, bei dem der Geldnehmer den
Betrag für mehr als einen Tag ausleiht. Geschäftsbeginn ist üblicherweise am
übernächsten Tag (Marktusance). Die Rückzahlung erfolgt zum vereinbarten
Termin inklusive Zinsen. Die Laufzeit ist nur in Ausnahmefällen länger als
ein Jahr.
Beispiel:
Ein Unternehmen muss am übernächsten Werktag eine Leistung in Höhe von 12
Mio EUR zahlen. Aus der Liquiditätsprognose ist erkennbar, dass damit für
die nächsten 14 Tage auf den Girokonten des Unternehmens immer ein
Mindestfehlbetrag von 8 Mio EUR resultiert. Erst dann erfolgt ein
Zahlungseingang, der diese Auszahlung kompensiert. Der Geldhändler nimmt
daher bei seiner Geschäftsbank ein Termingeld in Höhe von 8 Mio EUR für
genau diesen Zeitraum auf. Darüber hinausgehende Liquiditätsengpässe wird er
über Tagesgeldgeschäfte in Form von O/N-, Spot/Next- oder
Tom/Next-Geschäften abdecken. Der Geldhändler hätte auch die Möglichkeit,
nur über Tagesgeldgeschäfte diesen Liquiditätsbedarf auszugleichen. Er ginge
damit aber ein höheres Marktpreisrisiko ein, da Tagesgeldzinssätze in
Abhängigkeit von der jeweils am Markt gehandelten Gesamtliquidität i. d. R.
stärker schwanken als der Terminsatz.
Eine Mischform zwischen Tages- und Termingeld stellt Geld bis auf weiteres,
im Finanzmarkt als Geld b.a.W. bezeichnet. Dabei vereinbaren die
Kontrahenten keinen festen Rückzahlungstermin, sondern prüfen jeden Tag
telefonisch, ob die Vereinbarung bestehen bleibt, der Geldbetrag ganz oder
teilweise zurückgezahlt wird oder ob die Verzinsung anzupassen ist. Im
Kundengeschäft (d.h. die Kontrahenten sind eine Bank und ein Kunde dieser
Bank) werden üblicherweise in den AGB Regeln festgelegt, nach denen die Bank
einseitig die Verzinsung anpassen kann. Kommunikationsbedarf besteht nur
dann, wenn der Kunde Geld zurückhaben oder auch den Betrag aufstocken
möchte. Das b.a.W.-Geld wird dadurch in seinem Wesen je nach Handelsrichtung
einem Geldmarktkonto bzw. einem Kontokorrentkredit sehr ähnlich. Diese
beiden kontobezogenen Vertragsformen werden vor allem bei kleineren Beträgen
bevorzugt.
[Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie]