Lebensversicherung
Eine Lebensversicherung ist eine Individualversicherung (im Unterschied zur
Sozialversicherung), bei der das Todesfall- bzw. Langlebigkeitsrisiko
versichert wird. Innerhalb der Individualversicherung ist sie also eine
Personenversicherung. Sie wird fast stets als Summenversicherung
abgeschlossen, d. h. die Versicherungsleistung ist ein vertraglich
bestimmter Betrag, im Gegensatz zur Schadenversicherung, wo der tatsächlich
eingetretene, feststellbare Schaden erstattet wird. Die Feststellung eines
"Schadens" verbietet sich im Zusammenhang mit dem Leben eines Menschen. Je
nach Vertrag kann der Tod vor einem bestimmten Zeitpunkt, aber auch im
erweiterten Begriff der Lebensversicherung das Erleben eines bestimmten
Zeitpunktes, der Eintritt schwerer Krankheiten, die Berufs- oder
Erwerbsunfähigkeit oder andere, direkt mit dem menschlichen Leben
zusammenhängende Gefahren die Versicherungsleistung auslösen.
Geschichte
Erste Lebensversicherungen entstanden im antiken Rom, wo
"Beerdigungsvereine" die Bestattungskosten ihrer Mitglieder übernahmen sowie
die überlebenden Verwandten finanziell unterstützten. Vorläufer der modernen
Lebensversicherungen waren die Tontinen im 17. Jahrhundert in Frankreich;
als Erfinder der Lebensversicherungsmathematik gilt Edmond Halley.
Moderne Lebensversicherungen wurden im späten 17. Jahrhundert ins Leben
gerufen, aber ursprünglich als Handelsversicherungen. Kaufleute,
Schiffseigner und so genannte Underwriter trafen sich in Lloyd's Coffee
House, dem Vorläufer der heutigen bekannten Versicherungsbörse Lloyd's of
London.
In den Vereinigten Staaten entstand die erste Versicherung 1732 in
Charleston, South Carolina; allerdings bot sie nur Entschädigungen bei Feuer
an. Der Verkauf von Lebensversicherungen begann in den späten 1760er Jahren.
Die Presbyterianer-Synoden in Philadelphia und New York die Corporation for
Relief of Poor and Distressed Widows and Children of Presbyterian Ministers
(Vereinigung zur Unterstützung der armen und notleidenden Witwen und Kinder
presbyterianischer Priester) wurde 1759 gegründet; Priester der
episkopalischen Kirche organisierten einen ähnlichen Fonds im Jahre 1769.
Vor dem amerikanischen Bürgerkrieg versicherten viele Gesellschaften der USA
die Leben der Sklaven - Nutznießer von allfälligen Entschädigungen waren
aber die Sklavenhalter. Gesetzliche Vorschriften zwangen 2001 und 2003 die
Versicherungen dazu, ihre Archive nach damaligen Lebensversicherungspolicen
zu durchforsten.
Als "moderner" Ursprung gilt die erste mit versicherungsmathematisch
bestimmten altersabhängigen Beiträgen arbeitende Society for Equitable
Assurances on Lives and Survivorships 1762 in London. Auf dieser Basis
wurden im 19. Jahrhundert auch Sterbekassen gegründet. In Deutschland wurden
ab 1827 Lebensversicherungen von der Gothaer Lebensversicherungsbank
verkauft, dem - von Ernst-Wilhelm Arnoldi gegründeten - ersten deutschen
Lebensversicherer überhaupt. Arnoldi, ein Sohn der thüringischen
Residenzstadt Gotha, gilt deshalb auch als Vater des deutschen
Versicherungswesens. Der langjährige Leiter der Gothaer
Lebensversicherungsbank, Gustav Hopf (1808-1872), wird wiederum als
"Erfinder" der traditionellen Form der deutschen Lebensversicherung auf den
Todes- und Erlebensfall (gemischte Versicherung) gesehen. Otto Gerstenberg,
Direktor der Victoria zu Berlin, führte 1892 in Deutschland die
Lebensversicherung für jedermann ein, wodurch ohne Rücksicht auf die soziale
oder finanzielle Lage der Versicherten die Lebensversicherung zur
Volksversicherung wurde.
2004 bestanden in Deutschland 95 Millionen Verträge mit einer Kapitalanlage
von 618 Milliarden Euro.
[Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie]